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Wohnanlage Liebigstraße 1

Daten

Liebigstraße 1
Berlin-Friedrichshain
Bauherr Bauherrengemeinschaft Liebigstraße 1 GbR
Planung 2012-2014
Realisierung 2014-2017
Leistungsphasen 1-8
Bausumme 775.000 €
Fläche 3.000 qm

MIPIM Award Winner 2017

In der modernen Großstadt nimmt die Herausforderung zu, Grünflächen an Orten zu schaffen, die aufgrund von baulicher Dichte und der Belegung mit vielfältigen Funktionen nicht ideal dafür geeignet sind. Das Projekt in Berlin-Friedrichshain zeigt, wie auch unter solchen Bedingungen ein üppig grüner Garten entstehen kann.

Ort und Aufgabe

Das Baugruppenprojekt "Liebigstraße 1", unweit der Frankfurter Allee zwischen Liebig- und Rigaer Straße gelegen, umfasst sechs Punkthäuser entlang einer inneren Achse (Entwurf: zanderrotharchitekten). Insgesamt sind hier 144 Wohneinheiten und eine Tiefgarage entstanden, die sich in einen typischen Berliner Block einbetten. Im Kontrast zur zentralen urbanen Lage war es der Wunsch der Bewohner, die Freiflächen sehr grün zu gestalten. Von Anfang an hat die Baugruppe sich für eine gemeinschaftliche Nutzung des Gartens ausgesprochen. Doch standen dem verschiedene Faktoren entgegen: die hohe bauliche Dichte, eine anspruchsvolle Topografie mit Split-Level-Häusern und die Unterbauung durch eine Tiefgarage. Zudem sollten großflächig Bereiche für Erschließung und Feuerwehr freigehalten werden.

Unser Konzept

Unser Entwurf reduziert die versiegelten Flächen, bündelt platzsparend die notwendige Infrastruktur und gibt so dem Grün maximalen Raum. Mit unserer differenzierten Strukturierung der Flächen erreichen wir eine Kleinteiligkeit, die unterschiedliche Aneignungen des Freiraums ermöglicht, ohne soziale Distanzen auszuhebeln.

Gartenräume

Die komplett unterbaute zentrale Achse fungiert als gemeinschaftliche Mitte. Lineare Klinkerpflasterbänder dienen der direkten und barrierefreien Erschließung für Autos, Fahrräder oder Rollstühle. Diese Bänder werden gestalterisch durch helle Natursteinpflasterflächen zwischen den einzelnen Gebäuden gebrochen. Durch die Kombination von Schotterrasen, Klinker- und Rasenfugenpflaster konnten wir die Versiegelung maximal reduzieren. An den Seiten der Achse gepflanzte Gräser und Gehölze gliedern den Raum rhythmisch. Der Einsatz von Glasschotter begrenzt die auf der Tiefgarage ruhende Deckenlast und ermöglicht die notwendigen Aufbaustärken für Pflanzungen. Die Eingangsbereiche werden durch kontrastreiche Klinkerstreifen und Schmuckpflanzungen betont.
Flankierend bereichern üppig bepflanzte Gartenbänder mit Spielangeboten, Gärtnerflächen und Sitzbereichen das Grundstück. Rückseitig verbinden Rasentreppen die Gartenräume. Zwischen der gemeinschaftlichen Mitte und den grünen Rückzugsorten liegen die Wiesenecken. Eigentlich Aufstell- und Anleiterflächen für die Feuerwehr, bieten sie Raum für Ballspiele und Feste. Sie werden von ruhigen Gräserpflanzungen und Staudenbändern gerahmt. Die Baugruppe ermöglicht der Nachbarschaft die Nutzung des Grundstücks als quartiersinternen Erschließungsweg zwischen Rigaer Straße und Liebigstraße.

Bepflanzung

Kompakte Weiden- und großflächige Gräserpflanzungen sowie stabile Staudenkombinationen vermitteln einen üppig grünen Eindruck. Zur Bildung der unterschiedlich genutzten Räume im Spektrum von privatem bis zu gemeinschaftlichem Raum werden Gartengehölze wie Schneeball und Hortensien eingesetzt. Gleditschie und Frühlingskirsche als stabile Großgehölze im städtischen Kontext fungieren als Filter für allzu nahe Sichtkontakte. So gelingt es, auch die den Erdgeschosswohnungen vorgelagerten privaten Gärten mit Hilfe von transparenten Grenzen aus Gräser- und Staudenbändern in den Gemeinschaftsgarten einzubinden.